Mottolino Fun Mountain - Bikepark Livigno
- Ganz im Norden von Italien befindet sich der Mottolino Bikepark im Bergdorf Livigno, einem sehr abgeschiedenen Ort auf knapp 1800m Meereshöhe. Die Bergstation liegt auf etwa 2500m und ist damit schön hochalpin und oberhalb der Baumgrenze.

Der Park bietet Stand Sommer 2007 fünf Abfahrten, einen leichten und einen mittelschweren Fun-Ride, den World-Cup Downhill, auf dem 2005 die UCI DH-Weltmeisterschaft ausgetragen wurde, sowie zwei weitere Freeride-Strecken welche linker Hand der Bergstation ins Tal hinab führen. 566 Höhenmeter gibt es zu vernichten und vor allem der Downhill bietet diese nahezu in Fallinie an.
Durch die recht exponierte Lage wird Livigno auch als "Klein Tibet" bezeichnet, denn bis 1950 war der Ort sechs Monate im Jahr von der Außenwelt wegen der harten Winter abgeschnitten und erhielt deshalb den Status einer zollfreien Zone, um den Einwohnern einen steuerlichen Vorteil zu verschaffen damit der Ort ganzjährig bewohnt bleibt.

Lorenz im oberen Bereich der roten Line

Heute ist Livigno hauptsächlich für den Wintersport bekannt. Den Status der zollfreien Zone hat der Ort aber bis heute behalten, was einen Urlaub dort zudem recht günstig macht. Und das soll sich natürlich auch für uns Biker als Vorteil erweisen.
Livigno liegt wirklich sehr abgelegen und man erreicht den Ort vom Norden her am schnellsten über das Engadin Tal in der Schweiz. Von Zernez aus fährt man über den Ofenpass gen Italien und erreicht dann über einen sehr spannenden, einspurigen und mautpflichtigen Tunnel das Livigno Tal.

10-15 Euro werden je Durchfahrt durch diesen Tunnel fällig.
Noch ein paar Kilometer am Stausee entlang und man ist in Livigno, und kann sich als allererstes über die wahnsinnig günstigen Spritpreise freuen (Diesel im Sommer 2007 ~ 72Cent). Alternativ gibt es noch eine Route über St. Moritz oder über Meran, welche wir aber nicht gefahren sind. Vom Stausee her kommend liegt der Bikepark im oberen Ortsteil auf der linken Talseite.



Rauf gehts per 12er Gondel, in die zwei Bikes hineinpassen. Als wir Ende Juni 2007 zum Kona 2008 Launch dort waren, hatten wir vorsichtshalber lange Bikeklamotten dabei. Die hatten wir auch bitter nötig, denn oben am Berg blies ein saukalter Wind. Oben angekommen, erstmal die schöne Bergkulisse genießen und die möglichen Abfahrten abchecken. Der Downhill und die Funrides liegen auf rechter Hand, die zwei Freeride Singletrails gehen links weg.
Funrides
Hier kann man zwischen der Blue- und der Red Line wählen. Wir ließen die Blue Line gleich ganz aus, da sie uns schon allein vom Hinschauen leicht zu unterfordern schien und fuhren gleich die Red Line hinunter. Im oberen Bereich ein schöner speediger breiter Schottertrail mit schönen, sehr gepflegten Anliegern ohne Bremswellen, einigen Tables und kleinen Doubles.



ab in den Wald....
Sehr spaßig und schnell. Im mittleren Bereich geht dieser an der Baumgrenze in den Wald hinein. Ab hier folgt dann ein schmalerer und spaßiger Waldtrail mit vielen Wurzeln, etwas Geröll, vielen kleinen Anliegern und steileren Zwischenstücken.





Nach Querung der Skipiste gehts erneut in den Wald hinein wo einige Northshorepassagen, ein Wallride und nochmals ein spaßiger Waldtrail folgen, bevor man wieder die Talstation erreicht.
Downhill
Der schwarz markierte Downhill startet auf dem kleinen Hügel, welchen man von der Bergstation aus sieht und auf den man über eine kleinen Schotterweg gelangt. Der DH vernichtet die ganzen Höhenmeter auf einer kürzeren Strecke als der Freeride und so geht es nahezu in Fallinie über einen recht schnellen Singletrail hinab gen Tal.

Darko auf dem DH



Immer wieder unterbrechen steile Zwischenstücke die schnelle Abfahrt. Dort wo die Baumgrenze beginnt folgt auf 200m ein wahres Geröllfeld, kurz darauf gibt es auch den ein oder anderen Sprung. Je nach Mut und Können kann man hier die Kuh schön fliegen lassen.





Nach der mit vielen Matten versehenen Schutzwand an einem Anlieger mitten auf dem Skihang folgt ein sehr steiler und verwurzelter Abhang, welcher allerdings auch rechts umfahren werden kann.


Der Rest der Strecke ist ähnlich dem letzten Stück des Freerides, klassischer Waldtrail mit kleinen Wurzelpassagen, schnellen Kurven, alles aber ohne nennenswerte technische Schwierigkeiten. Während der WM 2005 war die Streckenführung im Unteren Bereich komplett anders, nun führt sie durch den Wald bis zur Talstation hin.
Freeride Singletrails
Links von der Berstation führen zwei Singletrail Abfahrten ins Tal. Wir sind damals den Camanel Singletrail gefahren, welcher als der Flowigere beschrieben wird. Es geht zunächst oberhalb der Baumgrenze auf einem schnellen Trail über eine langegzogene Wiese. Nach einer Spitzkehre gilt es die Geschwindigkeit etwas anzupassen, sonst landet man nach einem plötzlich folgenden scharfen Knick des Trails im Gegenhang eines Grabens, gell Lorenz?! :-)




Im Wald gehts kurviger, aber immer noch recht flott weiter. Es folgen einige Serpentinen, die aber alle auch mit dem Downhiller mit Doppelbrückengabeln schön gefahren werden können, ohne das man sein Hinterrad umsetzen muss. Dieser Trail ist recht lang und wir können ihn euch nur wärmstens empfehlen zu fahren, denn er macht einfach nur Spaß.


Technische Schwierigkeiten bis auf die ein oder andere Stelle gibt es nicht wirklich, ausser das man versucht den Trail immer schneller und schneller zu bezwingen, Business as usual halt...
Alles in allem ist der Mottolino Bikepark für Freunde der reinen Abfahrt recht abwechlungsreich, denn es gibt fünf Trails in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen. Die Strecken waren bei unserem Besuch in 1A Zustand. Es ist für jeden etwas dabei, egal ob Anfänger oder Vollblutracer, jeder kommt hier voll auf seine Kosten. Der Kurs der Downhillstrecke wurde nach der Weltmeisterschaft 2005 etwas geändert, vor allem im unteren Strechenabschnitt.

Oben an der Bergstation befindet sich zudem eine aus dem Kies ausgehobene Bowl mit einigen Transfersprüngen, richtige Dirt-Trails sucht man allerdings noch vergebens. Am Kona Launch war zwar eine Line von 2 großen Doubles aufgebaut, ob diese allerdings permanent bestehen bleibt oder nur für den Nissan Contest aufgebaut war, ist leider nicht bekannt. Ebenso fehlen ausgedehnte Northshore-Trails, von denen es im unteren Bereich des Fun-Rides (rot) nur etwa ausgebaute 150m gibt. Slopestyle fehlte bis 2007 noch gänzlich, vermisst haben wir dies allerdings überhaupt nicht. Neben dem Bikepark gibt es in der Alta-Rezia Region noch einige hundert Kilometer an Trails, die meisten davon zum Rauftreten, einige davon können auch mit dem Auto geshuttlet werden.
Leider hat der Bikepark nur von Ende Juni bis Ende September geöffnet, zu hochalpin ist seine Lage und der Winter hier dauert einfach sehr lange. Geöffnet hat der Park im Sommer von 9:00 bis 16:30. Die Tageskarte kostet hier 19.-€ pro Tag, die Zweitageskarte 30.-€, worüber man überhaupt nicht meckern kann. An der Talstation befindet sich ein Bike-Wash sowie ein Bikeshop.

Après Bike
Ein verlängerter Wochenendtrip nach Livigno lohnt sich auf jeden Fall, nicht nur wegen des Bikeparks sondern auch wegen den vielen anderen Singletrails in und um Livigno. Die Fahrt von z.b. Stuttgart aus dauert schon ihre 4-5 Stunden, denn ab Landeck in Tirol zieht sich die Fahrt durchs Engadin schon recht lang dahin. Wichtig zu erwähnen ist noch das der mautpflichtige Tunnel am Ofenpass nur bis 20:00 Uhr geöffnet ist. Danach ist Livigno nur noch über den langen Umweg über St. Moritz zu erreichen. Auf dem Weg über das Engadin Tal kommt man zudem zwangsweise in Scuol vorbei, und dort wartet ein weiterer schöner Bikepark mit 800 Höhenmetern. Dessen Beschreibung wird in den nächsten Wochen hier auf Soulbiker folgen.
Da Livigno zollfreie Zone ist, ist das Leben dort auch ein Stück günstiger als Anderswo. Angefangen bei den Übernachtungskosten, Essen und Trinken, dem Einkaufen in Duty Free Shops bis hin zum Tanken, wo uns ein Liter Diesel im Sommer 2007 72 Cent kostete. Das hier natürlich der letzte Kubikcentimeter Tankstutzen für Sprit ausgenutzt wurde versteht sich von selbst. Die Tanknadel begann sich auf Rückfahrt erst nach Kempten wieder an zu bewegen.... :)
Weitere Infos über Livigno und dem Kona Bikepark Mottolino: www.mottolino.com
Tip: Im DH-Video "Drift III" gibt es einen Livigno Part von der WM 2005
Bericht: Darko
Fotos: Darko & Lorenz