Das Garmin Oregon 300 im Langzeittest

Autor: Aaron Steinke
03.12.2010

Mit dem Oregon 300 hat Garmin ein vielseitigen GPS Empfänger mit langer Feature Liste im Programm. Schon seit gut einem Jahr nutzen wir das Oregon zum Finden und Aufzeichnen unserer Touren und Trainingsrunden - höchste Zeit also für einen Test!

qDas Oregon beim Uphill an der Glaswandscharte - Foto: Aaron Steinke

Haptik/Bedienung
Das Gehäuse aus orange eloxiertem Aluminium und Kunststoff  macht einen edlen und zugleich robusten Eindruck. Die gummierten Seitenflächen unterstreichen seine Outdoor-Fähigkeit. Durch die gewölbte Rückseite liegt das kompakte Gerät sehr gut in der Hand.
Abgesehen vom Ein/Aus Button gibt es am Oregon keine Knöpfe oder gar eine Tastatur - die Bedienung erfolgt ausschließlich über das Touchscreen Display. Wie bei aktuellen Smartphones navigiert man sich mit einem "Wisch" durch die übersichtlichen Menüs. Das geht intuitiv von der Hand und macht Spaß. Auch die Kartenanzeige verschiebt man auf diese Weise. Je nach gewählter Detail- und Zoomstufe muss man hier jedoch einige Augenblicke warten, bis die neu ins Bild geschobene Kartenbereiche komplett angezeigt werden.

Das Hauptmenü des Garmin Oregon 300


Sowohl beim Hauptmenü als auch bei vielen der  Unteransichten lassen sich die angezeigten Informationen und ihre Reihenfolge anpassen. Diese Einstellungen lassen sich praktischerweise in Profilen speichern, zwischen denen schnell gewechselt werden kann. Typisches Szenario bei uns: Erst mit Straßenkarte und klassischer Navi-Ansicht zum Trailanfang lotsen lassen und dort dann auf das Bike-Profil mit topografischer Karte, eingeblendeten Tracks und Informationen wie Durchschnittsgeschwindigkeit umstellen. Praktisch!

Display
Das Display des Oregon misst 3,8 x 6,3 cm und hat eine Auflösung von 240 x 400 Bildpunkten. Dies ermöglicht neben hübschen Menüs  eine hervorragende Kartendarstellung. Besonders topografische Karten (bei uns vor allem die Garmin Topo Deutschland V3 und OpenMtbMap) werden viel übersichtlicher dargestellt als auf älteren Geräten.

Das Oregon 300 von Garmin im Test

Anders als die meisten Smartphones, die auf kapazitive Touchscreens setzten, verwendet Garmin beim Oregon ein Display das auf Druck reagiert. Diese robustere Bauweise kommt zwar in Sachen Touch-Genauigkeit und Farb-Brillianz nicht ganz an Handydisplays heran, hat aber einen entscheidenden Vorteil: Das Garmin ist auch mit (Bike-)Handschuhen, bei Nässe oder mit einem Stift bedienbar und steckt auch mal einen Sturz weg.

Garmin Oregon 400 t am Lenker

Die Ablesbarkeit des Bildschirms ist stark vom Umgebungslicht abhängig. Im düsteren Wald hatten wir keine Probleme, selbst mit der Hintergrundbeleuchtung auf schwächster Stufe. Lediglich bei ungünstiger Sonneneinstrahlung kommt das Oregon an seine Grenzen - ein Nebeneffekt der Touchscreen-Schicht. Ändert man den Einstrahlwinkel, z.B. durch verdrehen der Lenkerhalterung, findet sich immer eine Position in der sich alles Ablesen lässt.
Diese - im Internet viel diskutierte - Schwäche mag zwar auf schnellen Cross Country Touren auf Zeit störend sein, bei  Freeride Ausfahrten hat sie jedoch wenig gestört. Bergab ist man mit dem Trail beschäftigt, bergauf hat man genügend Zeit um die Daten in Ruhe ablesen zu können.

Empfang/Genauigkeit
Probleme mit ungenauen Track-Aufzeichnungen oder gar gänzlichem Abbruch der Satellitenverbindung hatten wir mit dem Oregon keine. Selbst unter widrigen Bedingungen (enge Schluchten, dichter Tannenwald, ...) funktioniert das GPS zuverlässig. Lediglich direkt nach dem Einschalten sollte man auf eine freie Sicht zum Himmel achten, da  die erstmalige Positionsbestimmung  sonst auch mal mehrere Minuten dauern kann. Hier ist die Referenz weiterhin das Garmin 60cx.

Das Garmin Oregon 300 im Test - Foto: Aaron Steinke

Akkulaufzeit
2 AA-Zellen liefern die nötige Power für das Oregon 300. Es lassen sich sowohl Akkus als auch Batterien verwenden. Wir hatten im Test vor allem eneloop Akkus im Einsatz.
Wie lange das Oregon damit durchhält, ist natürlich abhängig von der Nutzungsart. Bei reinem Tracking und ausgeschalteter Displaybeleuchtung  kamen wir auf knapp 15 Stunden, schaltet man die Beleuchtung dauerhaft ein, sind 8 Stunden realistisch. Im normalen Toureneinsatz mit Tracking, gelegentlichem Navigieren mit Bildschirmbeleuchtung und Anlegen von verschiedenen Waypoints kann man mit 10-12 Stunden mit dem Oregon rechnen. Ein guter Wert.

Aaron mit dem Oregon 300 am Einstieg des Glaswandscharte Trails in Bayern - Foto: Darko Pelikan

Das Oregon 300 beim Biken
Neben der Track-Aufzeichnung zum späteren Auswerten (und Angeben *g*) hat das Oregon 300 natürlich noch einige weitere für Biker interessante Features.

Das Navigieren zu und dann auf den Trails geht dank der guten Kartendarstellung leicht von der Hand. Besonders Garmins "Topo Deutschland V3" wird angenehm plastisch dargestellt. So lassen sich Berge und Täler auch ohne Studieren der Höhenlinien erkennen, was Zeit spart. Die kostenlose OpenMTBMap wirkt etwas flacher, unterstützt dafür aber Routing auf Trails und Radwegen.

OpenMTBMap auf dem Garmin Oregegon 300


Dank eines Software Updates ermöglicht das Oregon nun auch die Darstellung sogenannter "Custom Maps": Beliebige Bilder und Grafiken lassen sich - mittels Google Earth georeferenziert - als Ergänzung zu den Karten einblenden. Das können z.B. Satellitenbilder, Scans aus Reiseführern oder manuell kommentierte Kartenabschnitte sein. In jedem Fall sehr praktisch.

Neben der Kartenansicht ist der "Reisecomputer" das wohl wichtigste Feature. Dieser Menüpunkt verbirgt eine bis ins Detail konfigurierbare Ansicht, in der sich zahlreiche Informationen, wie z.B. zurückgelegte Strecke, Geschwindigkeit, Position, Akkustand und vieles mehr anzeigen lassen. Insgesamt stehen stolze 42 verschiedene Informationen zur Auswahl, von denen maximal 10 gleichzeitig zu sehen sind. Seit einem der letzten Firmware-Updates stellt das Oregon im Reisecomputer auf Wunsch auch das Höhenprofil der Tour dar - sowohl vom zurückgelegten Teil als auch vom kommenden. Auf diese Weise lässt sich gut beobachten wie man dem Gipfel näherkommt :)

Der Trackmanager im Garmin Oregon 300 - Screenshot

Die Verwaltung der selbst aufgezeichneten oder heruntergeladenen Tracks erfolgt über den Track Manager. Dort lassen sich Höhenprofile der Tracks betrachten, Namen ändern und die Farbe des Tracks in der Kartendarstellung einstellen. Auch lassen sich einzelne Tracks ein und ausblenden.

Weitere Features
Als echter Allrounder kann das Oregon natürlich mehr als nur Biken. Die Autonavigation ist - mit entsprechender Karte - ein nützliches Gimmick auf dem Weg zum Bikepark. Aufgrund fehlender Sprachausgabe jedoch kein vollwertiger Ersatz für ein Auto-Navi.  Fürs Geocaching (ein spaßiges weltweites Schatzsuch-Spiel, siehe www.geocaching.com bzw. diese  Erklärungsvideo) ist das Oregon hervorragend geeignet. Auf dem hochauflösendem Display lassen sich komplette Cache-Beschreibungen einblenden und der elektronische Kompass weist auch im Stand die Richtung zum Versteck.

Mit Kabelbindern befestigt - die Lenkerhalterung des Garmin Oregon 300 - Foto: Darko Pelikan

Lenkerhalterung
Ein flacher Plastikclip, der mit 2 Kabelbindern am Lenker befestigt wird, verbindet das Oregon mit dem Bike. Diese Lösung ist zwar kompakter als eine Klemmschelle, aber wer mehrere Bikes fährt wird vom Wechseln der Lenkerhalterung schnell genervt sein. Für ruppige Trails muss man die Kabelbinder schon sehr fest ziehen, damit sich das GPS nicht verdreht - und selbst dann können schwere Schläge das Oregon abkippen lassen. Das sieht dann so aus:

Bei harten Schlägen kommt die Lenkerhalterung nicht mit dem Gewicht des Oregon 300 klar. - Foto: Darko Pelikan

Vorteil der nicht 100% festen Halterung ist, dass das sich da GPS auch bei Stürzen wegdrehen kann und so etwas geschützter ist.


Die Nachfolger: Oregon 450 & Oregon 550
Bei den inzwischen erhältlichen Nachfolger Modellen des Oregon 300 hat Garmin in Sachen Speicher und Bildschirm nachgelegt: Sowohl beim Oregon 450 als auch beim Oregon 550 kommt nun ein verbessertes, leichter ablesbares Display zum Einsatz. Außerdem wurde lassen sich nun mehr Tracks, Routen und Wegpunkte speichern. Das Oregon 550 hat zudem sogar eine 3.2 Megapixel Cam spendiert bekommen.

Fazit
Mit sehr guter Kartendarstellung, leichter Bedienung und seinem großen Funktionsspektrum hat uns das Garmin Oregon 300 überzeugt. Nur das Schwache Display und die verdrehfreudige Lenkerhalterung trüben den Gesamteindruck etwas.

Wer keinen Allrounder braucht und mehr Wert auf die Bike spezifischen Funktionen legt, sollte einen Blick auf Garmins Edge Serie werfen.

Weitere Infos findet ihr unter www.garmin.com

Oregon 300 am Melchsee - Foto: Darko Pelikan

Text: Aaron Steinke; Fotos: Darko Pelikan, Aaron Steinke; Produktbilder: Garmin

 

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