Votec ist zurück! Mit edlen Bikes zu mehr als günstigen Preisen wollen sich die Jungs aus Freudenberg Marktanteile sichern. Auch das v.Fr, Votec's Big Bike verspricht viel Rad für wenig Geld, und das bei "Handmade in Germany". Wie sich das v.Fr im Wald und an der Eisdiele geschlagen hat, lest ihr hier in diesem Testbericht.

Das v.Fr ist über den Votec Online-Shop in drei verschiedenen Grundvariationen verfügbar. Sie bewegen sich im Preisbereich von 2.285,- bis 3.635,-. Desweiteren gibt es seit Neuestem die Möglichkeit, sich über den Online-Konfigurator seine persönliche Traumkombination von Komponenten zusammenstellen zu lassen.
So entspricht auch das getestete v.Fr keiner der Grundausführungen sondern einer leicht abgeänderten Version des v.Fr 1.2.

Der aus fetten 7020er Alu-Rohren gefertigte Rahmen verrät auf den ersten Blick, dass er Einiges wegstecken kann. Angeschweißte Verstärkungen an allen relevanten Stellen und die stylisch geschwungene Schwinge des Viergelenkers erfreuen das Auge und geben dem Votec einen signifikanten Look. Erhältlich ist das Votec in den Farben schwarz, weiß, knallgrün und gelb, jeweils in den Größen S, M und L. Getestet haben wir ein schwarzes M.

Markant - da selten - ist auch der Dämpfer mit externem Ausgleichsbehälter, im Testrad setzt Votec auf den Marzocchi Rocco World Cup der mit seinem schickem Eloxal-Rot auch optisch gut ins v.Fr passt. Einstellrädchen und Ventil sind gut zu erreichen, so lassen sich die 180mm (Herstellerangabe, rechnerisch sogar 192mm) Federweg gut abstimmen, d.h. Zugstufe und High-Speed Compression sowie der Durchschlags-Schutz.
Erst auf den zweiten Blick fallen am Rahmen des v.Fr einige Details auf, die den edlen Charakter des Rades bestätigen. So lässt sich zum Beispiel die Vorspannung des Hauptlagers mittels eines Schräubchens präzise einstellen.
Auch bei der Bremsaufnahme entdecken wir ein interessantes Feature: Mittels einer "Schraube-in-Schraube"-Komnstruktion können die Aufnahmen für die Bremsen um mehrere Millimeter angepasst werden. Schleifen und Quietschen lassen sich so effektiver verhindern, nerviges Herumhantieren mit Unterlegscheiben entfällt.
Die Marzocchi 66 RCV stellt dem v.Fr an der Front ihre 180mm Federweg bereitwillig zur Verfügung. Die 38er Rohre harmonieren gut mit dem Rahmen. Einstellbar sind Zugstufe (Rebound) und Druckstufe (Compression) über leider etwas exponierte Stellrädchen am Tauchrohrende sowie die Federvorspannung über Ventile an der Gabelkrone.
Antriebsmäßig ist beim Votec Sram am Werk, genauer gesagt die X.9 Gruppe. Hinten eine 11-32er Kassette und vorne eine 24er/36er Kettenblatt Kombination stellen dem Fahrer ein für ein BigBike breites Spektrum an Gängen zu Verfügung. Anders als bei vielen anderen Kompletträdern spaart Votec nicht an der Kettenführung und versieht das getestete v.Fr mit einer e.Thirteen DRS Kettenführung für 2 Kettenblätter.

Lenker, Vorbau, Kurbeln und Innenlager des v.Fr entstammen der Truvativ Holzfeller Gruppe und sind damit bewährte Teile zu denen man nicht viel sagen kann, außer dass sie unaufällig und zuverlässig ihren Dienst verrichten - im v.Fr genauso wie in tausenden anderen Bikes.
Spätestens bei Laufrädern und Bremsanlage stellt man sich die Frage wie Votec das getestete v.Fr zum Preis von 2.964,- € anbieten kann. Sowohl die Mavic DeeMax Laufräder als auch die Hope Moto V2 sind Parts, von denen so mancher Biker träumt. Dafür sorgt neben der schicken Optik natürlich auch die Funktion dieser Edel-Teile.

Die Moto verzögert auch nach unzähligen Höhenmetern noch hervorragend, auch bei schweren Fahrern. Schwer ist allerdings auch die Bremse, mit insgesamt 636g pro Bremse gehört sie zu den schwereren auf dem Markt. Der durch die Stahlflex-Leitungen klare und knackige Druckpunkt zählt dann wieder zu den Pluspunkten dieser Bremse. Mehr Details und ein ausführlicher Test findet ihr im Hope Moto V2-Testbericht von soulbiker.
Privat hatten wir die Möglichkeit, ein v.Fr zu testen, in dem die Formula Bianco konfiguriert war. Sie spaart neben 115,- € im Votec Konfigurator auch noch ca 300g an Gewicht und ist von der Verzögerung der Moto gleichzusetzen. Und gut aussehen tut die blankpollierte Bremse allemal.
Neben dem markantem gelb fallen die erwähnten DeeMax-Laufräder durch die schön gefrästen Nabe und das gute Gewichts/Stabilitäts-Verhältnis. Genau dieser Umstand ist auch Grund dafür, das viele Worldcup-Fahrer seit Jahren auf eben diese Laufräder setzen. Erwähnt sei noch, dass die DeeMax UST-Felgen sind, d.h. die Option bieten mit entsprechenden Reifen auch schlauchlos zu fahren. Das Votec-Werk verlassen sie jedoch mit normal "beschlauchten" 2,4er Continental Rubber Queen bereift.
Von Selbigen waren unsere Tester positiv Überrascht; trotz des geringen Gewichts von 850g und dem subjektiv sehr geringem Rollwiederstand bietet er erstaunliche Traktion auf trockenen Böden und sogar auf Felsen. Lediglich in Sachen Pannensicherheit und Halt bei Nässe und Schlamm gab es Abzug.

Fahreindruck
Man könnte meinen, das Wort "Wohlfühl-Geometrie" wäre speziell für das v.Fr erfunden worden. Klingt nach Werbe-Slogan, aber das ist den Votec-Entwicklern wirklich gut gelungen. Der Lenkwinkel liegt , mit 65,8 irgendwo zwischen Freerider und rassigem Race-Dwonhiller. Die recht niedrige Tretlagerhöhe gefiel ebenfalls allen Testern.

So wie sich auch de Lenkwinkel zwischen Dhler und Freerider bewegt, sind auch die Fahreigenschaften irgendwo zwischen diesen Klassen anzusiedeln. Nicht ganz so verspielt wie manche Freeride-Maschine, dafür aber bei Highspeed annährend so laufruhig und gut zu Steuern wie ein ordentlicher Downhiller.
Auch der Hinterbau erinnert stark an Räder der Downhill-Klasse: Er klebt gradezu am Boden und fühlt sich definitiv nach mehr als den angegebenen 180 mm an. Drops meistert er ebenso gut wie Stein- und Wurzelfelder.

Nächster Spannender Punkt: Bergauf. Oder doch nicht Spannend? Will das v.Fr überhaupt bergauf gefahren werden? Votec lässt uns etwas um Unklaren: Voll versenkbare Sattelstütze, 2 Kettenblätter und die gut Rollenden Rubber Queen sprechen dafür, knapp 20 kg Gewicht und Dämpfer ohne Pro Pedal-Plattform dagegen..
Die Praxis zeigt: Es geht auch bergauf, aber das v.Fr ist eindeutig bergaborientiert. Trotzdem: Wer nur bergauf fährt um zu seinen Abfahrten zu gelangen, hat mit diesem Bike alle Möglichkeiten dazu offen. Genügend Kondition vorausgesetzt. Wenns mehr Bergauf gehen soll, hat Votec das v.Sx im Program, ein entsprechender Testbericht ist bereits in Planung :)
Soulbikers Fazit: Mit dem v.Fr hat Votec ein preislich sehr attraktives Big Bike im Program. Es glänzt neben der edlen Optik vor allem durch den potenten Hinterbau und die Top Ausstattung. Wer sich die Höhenmeter notfalls selbst erarbeitet, bergab aber nicht den geringsten Kompromiss eingehen will, ist hier goldrichtig bedient. Fest steht ebenfalls: Das v.Fr macht auch an der Eisdiele ein Top Figur, die gelben Felgen, der markante Dämpfer und die geschwungene Schwinge ziehen alle Blicke auf sich. Nicht dass das irgendjemand wichtig wäre, es sei nur mal erwähnt ;)
Bericht: Aaron Steinke, Fotos: Fllo, Rider: Tim, Onkel J