Kurventechnik - Schwung ist alles!
- Ihr kennt das Gefühl, einen perfekten Anlieger am absoluten Limit zu erwischen? Wärst du auf einer Gerade, du würdest bretteleben umfallen. Du hast aber alles richtig gemacht: Der Druck baut sich auf, der Hinterreifen liefert mit einem kurzen "rrrrrrrrr!!!" diesen einzigartigen Sound und die Fliehkraft drückt dich und dein Bike zu Boden und spuckt dich kurz darauf seitenverkehrt wieder aus…geil! Also: Üben, üben, üben - wichtige Tipps und Tricks findet ihr hier:
Zuerst müssen wir einmal zwischen normalen Kurven und Anliegern unterscheiden; Durch die überhöhte Außenseite verträgt ein Anlieger einfach höheren Speed, da das Bike schwerer ausbrechen kann.
Mit dem Bike ist es besonders wichtig, den maximalen Schwung aus einer Passage mitzunehmen - deswegen sollte der Kurveneingangsspeed passen… fährt man zu schnell in den Turn, sticht man denn Schwung ab, das kostet Kraft und Zeit. Zum Lernen: Langsamer beginnen und wenn das Timing passt Schritt für Schritt den Speed erhöhen…
Es gibt einige Eckpunkte der Bewegung - dass sind Dinge, die Grundlage für eine saubere Technik sind. Ich würde euch empfehlen, sich auf diese einzelnen Dinge zu konzentrieren - in einem Turn an all diese Punkte gleichzeitig zu denken würde selbst absolute Profis überfordern!
Die richtige Linie:
Generell würde ich euch empfehlen, so weit wie möglich außen in die Kurve einzufahren, dann zum Scheitelpunkt zu ziehen und sich beim ausfahren aus der Kurve wieder nach außen treiben zu lassen. Dadurch ist der Radius des Turns größer und man kann mit höherem Speed in die Kurve fahren. Auch im Anlieger würde ich euch empfehlen, so weit wie möglich außen in die Kurve zu stechen… ein paar Zentimeter weiter innen und der Druck wird deutlich größer… Downhill World Champion Sam Hill zeigte immer wieder Alternativen, indem er sehr direkt in die Kurve sticht und dann z.B. nur mehr das letzte Eck des Anliegers zum Umlegen nützt - dass würde ich aber nur absoluten Profis empfehlen, da sollte man schon extrem stark am Bike sitzen!

Goe im Minianlieger - Foto: Tommy Bause/bause.at
Die Belastung des Bikes:
Beim Anbremsen eines Turns ist das Gewicht recht weit hinten - sprich der Arsch über dem Sattel. Wenn dann aber der eigentliche Turn beginnt, sollte man unbedingt wieder mittig am Bike sein, denn nur aus der mittigen Position lässt sich das Bike sauber umlegen. Da machen die meisten motivierten Fahrer Fehler: Grund dafür ist oft ein Timingproblem: Man will den Turn extramotiviert sprich schneller nehmen und findet dann aus der Anbremsposition nicht mehr in die Mitte und tut sich so beim Umlegen deutlich schwerer. Außerdem solltet ihr im Turn das äußere Bein belasten - wie beim Skifahren den Außenski - so drückt ihr die Reifen gegen den Boden und man hat deutlich besseren Grip. Das äußere Pedal ist unten! Ob ihr den inneren Fuß vom Pedal nehmt oder nicht ist nicht entscheidend - das ist für mich eher eine Frage des eigenen Styles…
Tipp: Versucht mal, beim Umlegen das äußere Knie ans Oberrohr zu pressen - ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich das Bike so besser unlegen lässt und auch die Belastung zwischen Vorder- und Hinterrad gut passt!

Patrizia Posch - Foto by Gö / The Gap
Der Blick:
Dadurch steuert ihr die Bewegung - man fährt immer dorthin, wo man hin schaut… bei der Kurventechnik kann man durch bewusstes "in die Kurve reinschauen" sehr fein das richtige Umlegen lernen. Vor dem Turn schaut man auf den Eintrittspunkt in die Kurve, dann ist es aber besonders wichtig, sofort aus der Kurve heraus zu schauen - dadurch legt man automatisch um! Hauptfehler: Man fixiert den Kurveneingangspunkt zu lange. Die Folge: Man schaut automatisch immer knapper vor das Vorderrad, dadurch fühlt man sich viel zu schnell… es folgt meist hysterisches Bremsen, ein sauberer Turn wird unmöglich. Oft sieht man auch Fahrer über den Rand des Anliegers drüber schauen… Sekunden später klettert derjenige dann meistens verdreckt aus dem Unterholz - logisch!

Gö fixiert die Ideallinie - Foto: Martin Steiger/Sportbild.at
Die häufigsten Fehler:
1) Bremsen in der Kurve: Dadurch richtet sich das Bike auf und man
arbeitet gegen sich selbst.
2) Blick wird zu lange am Eintrittspunkt gehalten: Man bekommt das Gefühl, deutlich zu schnell zu sein und kann nicht richtig umlegen.
Beim Ansehen der Bilder und beim Üben achtet also ganz besonders auf den Blick, die Pedalstellung und auch auf das äußere Knie - das sollte euch helfen!

Gö - Pic by Manu Gruber / The Gap
Zum Abschluss noch ein paar Worte zum Driften: Das Bike rutschen zu lassen ist eine richtig geile Sache, vor allem, wenn man das Bike in der Kurve - ohne die Bremse zur Hilfe zu nehmen - zum Ausbrechen bringt… das macht Spaß und man bekommt ein gutes Gefühl für die Rutschgrenze… in der Regel ist aber eine geschnittene Kurve die schnellere Variante…
See you on the trails, Gö!
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Weitere Teile der Fahrtechnik-Serie:
Michi "Gö" Gölles war über 15 Jahre im österreichischen Downhill-Nationalteam, dreimaliger österreichischer Meister und holte jede Menge Siege und "Stöckerlplätze" in der österreichischen Downhill-Serie.
Michi ist Sportwissenschaftler und hat mit seiner Freundin Patrizia vor 4 Jahren "The Gap" gegründet. Unter diesem Namen betreibt "The Gap" ein Pro Team und organisiert Freeride-Fahrtechnikcamps und Kurse in Bikeparks für 11-18 Jährige sowie für Erwachsene. Somit vereint Michi jede Menge Riding Skills mit der Fähigkeit, selbige auch anschaulich weiterzugeben.
Weitere Infos zu den Kursen und Camps unter http://www.the-gap.at
Einen guten Eindruck von den Camps bietet auch das Promo-Video von The-Gap: